auch Silber glänzt edel und wertvoll und ist vor allem ein Werkstoff, der sich auf vielerlei Art und Weise verändern lässt.
Im Team mit seiner Frau und zwei Angestellten formt Friedhelm Hänsch daraus Bestecke, Kannen, Kerzenständer und restauriert in mühevoller Kleinarbeit hundert Jahre alte Erbstücke, die Kunden ihm in die Werkstatt bringen.
Sein Talent genießt Weltruf heisst es.
Hier erhalten Sie einen kurzen Einblick in das seltene Handwerk des Silberschmieds.
Videobeitrag des NDR „Rund um den Michel" vom 14.01.2007
Von Mathias Eberenz, Hamburger Abendblatt vom 15. Mai 2003
Familienfirmen in Hamburg. Was sind ihre Stärken? Wer steckt dahinter? Heute: Altonaer Silber Werkstatt.
Hamburg. Ein paar Schritte nur führen von der belebten Holstenstraße in die Werkstatt von Friedhelm Hänsch. In die beschauliche Welt eines Silberschmieds, mit nostalgisch anmutenden Hämmerchen und Blechscheren, Lötlampe und Amboss. Es riecht nach Metall, nach Feuer und nach Rauch.
Und während draußen der hektische Großstadtverkehr lärmt, erklingt drinnen nur ein ruhiges Klopfen. Schlag für Schlag, aber vorsichtig und mit viel Gefühl beult Hänsch eine bauchige, silberne Teekanne mit Elfenbeingriff aus. Eine Antiquität aus den 1870er-Jahren des
britischen Empires. "Seit dem Mittelalter hat sich unser Handwerk eigentlich kaum verändert", sagt der 46-Jährige, der die Altonaer Silber Werkstatt seit 1998 führt.
Der Familienbetrieb kann auf 127 Jahre Tradition verweisen, auf einen besonderen Ruf und Kunden aus aller Welt.
"In ganz Europa gibt es wohl nichts Vergleichbares mehr, immerhin haben wir hier mehrere Gewerke unter einem Dach", sagt der Mann, der selbst Meisterbriefe für gleich drei Berufe besitzt:
Silberschmied, Schneidwerkzeugmechaniker und Galvaniseur-Metallschleifer. "Ich bin erst 1987 nach Hamburg gekommen, als Republikflüchtling aus der DDR", erzählt Hänsch mit sächsischem Akzent. Vom Automobilbau im Osten über die Vorarbeit bei einem Schiffsausrüster sei er kurz nach der Wende zu einer Hamburger Messerschmiede gewechselt, einem Nachfolger der 1876 gegründeten Reparaturwerkstatt für Tafelsilber "Silber Specht" in Altona.
Hänsch freundete sich mit den Altgesellen an, lernte ihre Techniken, absolvierte die Meisterschule und wagte 1998 mit einem
Jungunternehmerkredit den Sprung in die Selbstständigkeit. Seitdem dreht sich bei Hänsch fast alles ums Silber.
Rund 10.000 Besteckteile durchlaufen jährlich seine Werkstatt. Meist sind es unansehnlich gewordene Familienerbstücke, die in bis zu 28 Arbeitsschritten wieder auf Vordermann gebracht werden - vom Einsetzen einer neuen Edelmetall-Messerklinge bis zum Versilbern im Galvanikbad. "Wenn uns ein Kunde etwa eine alte Gabel auf den Tisch legt, dann hat sie meist schon ein Leben hinter sich", erklärt Hänsch: "Die Zinken sind abgenutzt, die Versilberung an den Auflagestellen ist durch und das Grundmetall kommt zum Durchscheinen.
Wir richten dann die Zinken wieder aus, spitzen sie an, reinigen die Gabel, nehmen die Kratzer raus, polieren sie auf Hochglanz. Dann kommt sie mehrfach ins Silberbad, wird nochmal feinpoliert."
25,50 Euro kostet die Prozedur pro Gabel oder Löffel, eine 25-jährige Garantie inklusive.
Zusammen mit drei Lehrlingen, darunter seine Tochter, einer Goldschmiedin, einem Messerschleifer und einigen Aushilfen für das Ladengeschäft bearbeitet Hänsch jährlich zudem 1000 Leuchter und 500 Kannen, meist antike Stücke. Die Kunden kommen aus ganz Deutschland, der Schweiz, den Niederlanden, Portugal.
Und - weil das englische Pfund so kräftig ist - mittlerweile sogar aus Großbritannien, dem Mutterland der silbernen Tischkultur. Mal geht es darum, Risse zu löten, mal müssen eingedrückte Stellen ausgebeult werden. Oft reicht es aber schon, die guten Stücke gründlich zu reinigen und auf Glanz zu polieren. Nicht selten werden Hänsch besonders wertvolle Stücke zur Restaurierung anvertraut, etwa Teile aus dem Besteck von Kaiser Wilhelm II. oder aus dem Hamburger Ratssilber. Und wenn es ums Feuervergolden geht - da ist die Altonaer Silber Werkstatt bundesweit sogar das einzige Unternehmen, das hierfür eine Genehmigung hat.
Schließlich muss das Gold mit Quecksilber gemischt und bei 400 Grad erhitzt werden. "Und das ist nicht nur aufwendig, sondern auch ziemlich giftig", sagt Hänsch. Ob er unter der allgemeinen Konjunkturflaute leidet? "Nicht so stark wie andere Branchen", sagt Hänsch. "Wir profitieren zurzeit davon, dass die Leute sich wieder um eine feine Tischkultur bemühen, dass Silber in den Haushalten wieder in Mode gekommen ist."
350.000 Euro setzte die Altonaer Silber Werkstatt zuletzt um. Um jeweils 20 Prozent stieg der Umsatz in den vergangenen Jahren. 2002 betrug der Zuwachs allerdings nur noch zehn Prozent.
Ein wichtiger Umsatzträger ist neben der Aufarbeitung der Edelmetalle nach wie vor das Schleifen von Messern. Im Schnitt zweimal pro Jahr lassen etwa Küchenchefs von Kantinen und Restaurants ihr wertvolles Handwerkszeug von Fachhand schleifen.
"Bei den Händlern vom Hamburger Fischmarkt hole ich die Filitiermesser sogar wöchentlich ab", sagt Hänsch. Konkurrenz durch fahrende Messer- und Scherenschleifer fürchtet er dabei nicht: "Meine Kunden wollen schließlich Qualität. Und wenn Scharlatane ein Messer ohne Hochdruckkühlung schleifen, glüht das Messer aus und vernarbt - dann kann man es nur noch auf den Schrott werfen."
Doch nicht nur, wer seine Messer so scharf wie Rasiermesser schleifen lassen möchte, ist bei Hänsch an der richtigen Adresse. Für alle, die ihr Silber zu Hause wieder in altem Glanz sehen wollen, hat der Profi ein Putzmittel entwickelt: eine geheime Mixtur aus Kreide und Seife. Der Topf kostet 5,50 Euro. "Das Silber wird mit einem Schwamm gewaschen. Das schont das Material - und die Hände bleiben sauber", verspricht Hänsch.